Tag der Mediation

17.06.2016

Ein Bericht über den Tag der Mediation om OVB

Die Rosenheimer Mediatoren auf dem Max-Josepfs-Platz im Rosenheim

 

Hier das Interview:

 

AKTUELLES INTERVIEW ZUM TAG DER MEDIATION IN

ROSENHEIM

„Eigentlich wollen wir nicht streiten...“

Informieren über ihre Arbeit: die Rosenheimer Mediatoren. re

Der Internationale Tag der Mediation findet am Samstag, 18. Juni, zum ersten Mal auch in Rosenheim statt. Die Rosenheimer Mediatoren, ein Zusammenschluss und Netzwerk regionaler MediatorInnen, stehen für Fragen rund um dieses Verfahren zur konstruktiven Konfliktlösung zur Verfügung – am Max-Josefs-Platz. Im OVB-Interview erläutert Mediator Max Jelinek, wie er und seine Kollegen arbeiten.

Wie arbeiten Mediatoren? Und wer darf diese Dienstleistungen anbieten?

Die Mediation ist ein strukturiertes Verfahren und unterliegt bestimmten Regeln oder besser Prinzipien, die mittlerweile seit 2011 im Mediationsgesetz verankert sind. Streng genommen ist das Angebot der Mediation darüber hinaus noch nicht reguliert. Das Mediationsgesetz sieht zwar den „zertifizierten Mediator“ vor, hat aber bislang die Richtlinien hierfür noch nicht abschließend festgelegt.

Alle meine Kollegen bei den Rosenheimer Mediatoren und ich, haben eine mitunter mehrjährige Ausbildung zum Mediator absolviert mit bis zu 250 Ausbildungsstunden. Was in meinen Augen noch viel wichtiger ist: die ständige Weiterbildung und die Selbstreflexion in geeigneten Supervisionen und der Austausch mit praktizierenden Kollegen.

Muss ein Mediator bestimmte Charaktereigenschaften mitbringen?

Neugier, Offenheit, Empathie, echtes Interesse am Gegenüber, sind sicher sehr hilfreich. Ob man letztlich das „Zeug“ zum Mediator hat, zeigt sich erfahrungsgemäß schon während der Ausbildung.

Es ist halt nicht einfach nur eine Methode, es ist eine Haltung und Grundeinstellung im Umgang mit Konflikten und Konfliktbetroffenen. Es ist ein ständiges Begegnen auf Augenhöhe. Es ist wie mit einem Handwerk, das kann man lernen – aber erst in der individuellen Weiterentwicklung wird es dann zum Kunsthandwerk, das dann auch nachgefragt wird.

Nicht bei allen Streitigkeiten lässt sich eine Lösung per Mediation erreichen. Wann greift diese Form der Konfliktlösung am besten?

Es kommt nicht auf die Streitigkeit an sich an, wichtig ist, dass die konfliktbetroffenen Menschen eine Lösung wollen, sich wünschen, dass der Streit endlich ein Ende hat. Oder Angst haben, dass ein Streit eskalieren könnte.

Oft kommen Menschen zur Mediation, die einen Konflikt haben, aber eben nicht streiten wollen und schon gar nicht vor Gericht, wo sich der Konflikt dann juristisch verselbstständigt und am Ende ein Dritter eine Entscheidung trifft, die man dann akzeptieren muss. Ein Satz, den wir alle oft hören ist, - „Wir wollen nicht streiten aber wir brauchen einen „Neutralen“, der uns hilft eine faire Lösung zu finden“.

Wie geht es weiter, wenn sich die Streithähne trotz Mediation einfach nicht einigen können?

Das Ergebnis von einer Begegnung in der Mediation kann tatsächlich auch der Konsens im Dissens sein – also die Einigkeit über die Uneinigkeit. Tja, und was man dann macht, ist sehr individuell und es finden sich dann oft Lösungen entsprechend unseren Urinstinkten –„Kämpfen, sich totstellen oder weglaufen“, also der Streit geht weiter gegebenenfalls mithilfe von Anwälten bis vor ein Gericht oder man kündigt oder lässt die Sache einfach auf sich beruhen.

Und was tun Sie, wenn ein Streit eskaliert? Haben Sie für diesen Fall Strategien parat?

Jeder von uns praktizierenden Mediatoren kennt solche Situationen und ja – jeder hat da so seine Methoden entwickelt, wie man deeskalierend eingreifen kann. Der Umgang mit solchen Situationen macht einen Großteil unserer Ausbildung aus. Wie fange ich einen Menschen wieder ein, der ausrastet oder zusammenbricht, ohne sein Verhalten (ab)zuwerten und wie schaffe ich einen Raum, der auch solche starken Emotionen zulässt, ohne dass es zum Gesichtsverlust kommt. Diese „Extremsituationen“ und der Umgang damit sind dann anonymisiert oftmals Thema in der fachlichen Weiterbildung unter uns Kollegen.

Was war Ihr erfolgreichster Fall?

Das müssten eigentlich die Medianden beantworten, die an einer Mediation teilgenommen haben. Es ist ja nicht der Erfolg des Mediators, wenn eine einvernehmliche Lösung gefunden wird, es sind die konfliktbetroffenen Menschen selber, die es schaffen, aus dem Streit etwas zu schaffen, mit dem sie gut leben können, also den Konflikt als Chance für etwas Besseres nutzen.

Ich denke, da kann ich auch für alle meine Kollegen von den Rosenheimer Mediatoren sprechen: Es ist immer wieder ein schöner Moment, wenn man bemerkt, dass aus den streitenden Menschen, die zunächst verbittert an ihren Positionen festgehalten haben, plötzlich Menschen werden, die sich wieder zuhören, bereit sind zu verstehen, was der andere meint und warum ihm das wichtig ist, was er begehrt.

Interview: Heike Duczek

 

Foto: Vorschaubild zur Meldung: Tag der Mediation

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3 Tag der Mediation (18.06.2016)

Bilder unserer Kolegen im Einsatz beim 3. Tag der Mediaitons in Rosenheim