Das Orangen-Beispiel

Die Kunst des Mediators ist die Fähigkeit der „Kuchenvergrößerung“. Was damit gemeint ist zeigt ein kurzes Modellbeispiel: Man stelle sich vor, es streiten sich zwei Schwestern. Der Streit geht um die letzte Orange die noch übrig ist. Beide wollen sie haben und sie streiten heftig darum, „ich hatte sie zuerst“ „aber ich habe sie gekauft“ „ aber Du hattest schon drei“ –naja man kennt diese Fälle. Ein Dritter der darüber entscheiden müsste, würde sagen „ teilt doch die Orange und jeder kriegt die Hälfte, das ist doch Wahnsinn darüber zu streiten“.

 

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Was hingegen schafft der Mediator? Der Mediator schafft es durch einfache Fragen, mittels seines Handwerkszeug die einzelnen Bedürfnisse der Schwestern zu ergründen. Es stellt sich heraus, dass die eine Schwester die Schale der Orange zum Backen braucht, wohingegen die andere Schwester das Fruchtfleisch essen wollte. Jedes der Bedürfnisse konnte somit zu 100% befriedigt werden, Ergebnis ist kein fauler Kompromiss. Der Kuchen wurde nicht nur „gerecht“ aufgeteilt sondern faktisch „vergrößert“.

 

Mediation will Bedürfnisse herausfinden und befriedigen, anstatt sinnlose Positionskämpfe zu festigen um sie mit fragwürdigen rechtlichen Normen durchzusetzen.